11. Praxistag Demenz 2026
Am 5. November 2026 fand an der UMIT TIROL in Hall der 11. Praxistag Demenz statt. Rund 300 Betroffene, Angehörige, Interessierte und Mitwirkende nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen rund um Demenz zu informieren, Expert:innen zu befragen und sich auszutauschen. Im Mittelpunkt standen konkrete Fragen des Alltags – von neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten über Pflege, finanzielle und sozialrechtliche Absicherung bis hin zu Beziehungsgestaltung, Selbstfürsorge und einem möglichst selbstbestimmten Leben mit Demenz.
Beate Czegka, Koordinatorin der Initiative Demenz braucht Kompetenz der tirol kliniken, freut sich über das große und jährlich zunehmende Interesse: „Das zeigt, dass die Bereitschaft wächst, sich offen mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen. Genau das ist uns wichtig: Wir wollen einen Raum schaffen, in dem Betroffene, Angehörige und Fachpersonen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen. Denn Verständnis, Wissen und Austausch sind wesentliche Voraussetzungen für eine würdevolle Begleitung im Alltag.“
Impulse und aktuelle Entwicklungen
Eröffnet wurde der Praxistag mit Impulsen zu aktuellen medizinischen Entwicklungen. Michaela Defrancesco, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Leiterin der Gedächtnissprechstunde der Innsbrucker Univ.-Klinik für Psychiatrie I, gab ein Update zu neuen therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten bei dementiellen Erkrankungen und zeigte auf, welche Bedeutung diese Entwicklungen für die Versorgung von Menschen mit Demenz haben. „Die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie entwickeln sich laufend weiter. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen verständlich zu vermitteln und gleichzeitig den Menschen mit seiner individuellen Lebenssituation in den Mittelpunkt zu stellen. Eine frühzeitige Abklärung und individuell abgestimmte Behandlung können dazu beitragen, Selbstbestimmung und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten“, betont Defrancesco.
Praxisnahes Wissen für den Alltag
In 15 Workshops standen praxisnahe Fragen rund um Demenz im Mittelpunkt – von Pflege, sozialrechtlicher und finanzieller Absicherung über Beziehungsgestaltung und Kommunikation bis hin zu Selbstfürsorge. Thematisiert wurden außerdem Schwerhörigkeit als beeinflussbarer Risikofaktor, Fahrtauglichkeit, Unterstützungsangebote für Familien sowie die Begleitung am Lebensende. Auch Möglichkeiten zur Förderung von Selbstständigkeit, geistiger Aktivität und Lebensqualität im Alter wurden aufgezeigt.
Beratung und Verstehen durch Erleben
Ein besonderer Anlaufpunkt war die Gedächtnisstraße. Expert:innen aus Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialem und Recht sowie Vertreter:innen von Vereinen und Organisationen standen für persönliche Gespräche zur Verfügung. „Wir freuen uns, am Praxistag persönliche Beratung anbieten zu können und einen niederschwelligen Zugang zu den Unterstützungsangeboten in Tirol zu ermöglichen. Frühzeitige Hilfe trägt wesentlich dazu bei, die oft herausfordernde Situation für Betroffene und Angehörige besser zu bewältigen“, betont Susanne Krestan, Leiterin der Koordinationsstelle Demenz am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol.
Teilnehmende Schüler:innen wurden speziell in den Praxistag einbezogen: Sie setzten sich damit auseinander, wie das Gedächtnis funktioniert und was passiert, wenn dieses System zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät.
Der 11. Praxistag Demenz zeigte einmal mehr, wie vielfältig die Fragen rund um eine Demenzerkrankung sind – und wie wichtig Wissen, persönliche Beratung und Begegnung sind. Die Veranstaltung schuf Raum für Austausch auf Augenhöhe und gab Betroffenen, Angehörigen und Interessierten konkrete Impulse, um den Alltag mit Demenz besser zu meistern.
Fotos und weitere Details finden Sie hier.
Über die Initiative Demenz braucht Kompetenz
Seit 2014 widmet sich die Initiative „Demenz braucht Kompetenz“ intensiv der Betreuung von Menschen mit Demenz und Delir in Tirol. Ziel ist es, Mitarbeiter:innen im Gesundheits- und Sozialwesen so umfassend zu schulen, dass Patient:innen und Angehörige einfühlsam begleitet werden können. Die Initiative setzt auf praxisnahe Kompetenz, um das Thema Demenz breit zugänglich zu machen.
Seit 2016 bietet der „Praxistag Demenz – den Alltag meistern“ Betroffenen, An-gehörigen und Interessierten eine wertvolle Plattform für Austausch, Information und Begegnung. Seit 2017 wird diese Veranstaltung in Kooperation mit dem Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol - Koordinationsstelle Demenz organisiert. Das Angebot ist seither erfolgreich in acht weiteren Regionen Tirols etabliert.
